Bulgarische Ikonen aus Varna im Ikonen-Museum Recklinghausen

Hausikonostase Nordrussland, 16. Jh., Eitempera auf Fichtenholz, 31,5 x 96,2 cm, erworben 1955 aus der Slg. Prof. Dr. Martin Winkler (Inv. Nr. 202) © Ikonen-Museum Recklinghausen
Hausikonostase Nordrussland, 16. Jh., Eitempera auf Fichtenholz, 31,5 x 96,2 cm, erworben 1955 aus der Slg. Prof. Dr. Martin Winkler (Inv. Nr. 202) © Ikonen-Museum Recklinghausen
WDR 3 Kulturtipp: 

Eine Sonderausstellung im Ikonen-Museum Recklinghausen bringt erstmals Ikonenschätze  aus  dem  bulgarischen  Varna  am  Schwarzen  Meer  nach  Deutschland.  Vom  22.  März  bis  14.  Juni  2015  sind  vierzig  –  zum  Teil  sehr großformatige und farbenprächtige – Ikonen des 17. bis 19. Jahrhunderts zusehen. Die für die Wiedergeburtszeit in Bulgarien charakteristischen Ikonen zeigen Darstellungen von Christus, der Muttergottes, von Kirchenfesten und Heiligen, aber auch von sonst selten zu findenden Motiven – die Highlights der Ikonenabteilung des Archäologischen Museums in Varna.

Bulgarien  war  das  erste  slawische  Land,  das  christianisiert  wurde  und  in  dem schon  im  9./10.  Jahrhundert  wichtige  Zentren  der  Malerei  entstanden.  Während  des Mittelalters folgten die bulgarischen Ikonenmaler der byzantinischen Tradition.
Zwischen 1393 und 1396 kam das bulgarische Reich unter osmanische Herrschaft, die 500 Jahre andauerte. Nach der Auflösung des bulgarischen Staates und des bulgarischen Patriarchats existierte auch keine offizielle, repräsentative christliche  Kunst  mehr.  Trotzdem  wurden  weiter  Ikonen  für  die  christlich-orthodox  gebliebenen Bulgaren gemalt. 

Seit  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  erstarkte allmählich  eine  unternehmerisch  und  handwerklich aktive Gesellschaftsschicht, die nach ihren  nationalen  Wurzeln  und  ihrem  Glauben in  der  Vergangenheit  suchte  und  die  finanzielle  Mittel  für  den  Bau  und  die  Ausstattung von  Kirchen  zur  Verfügung  stellte.  Dies  hatte einen  erneuten  Aufschwung  in  der  Kirchenkunst  zur  Folge.  Das  neu  erwachte  Nationalbewusstsein  der  so  genannten  Wiedergeburtszeit  spiegelt  sich  in  einer  optimistischen Grundhaltung  der  Kunst.  Die  Ikonen  sind  in leuchtenden, sogar oft bunten Farben gemalt, zeigen  Elemente  aus  dem  Alltag  und  öffnen sich  auch  gegenüber  westlichen  Kunstströmungen,  vor  allem  dem  Barock.  Dies kommt in erster Linie in einer plastischen Gestaltung  der  Gesichter  und  zahlreichen  dekorativen  Schmuckelementen  zum  Ausdruck.
Viele Ikonen wurden von den Malern signiert, was  sonst  eher  die  Ausnahme  ist. Meist  erwähnen sie auch ihre Heimatstadt und datieren die Ikonen. So wahrten sie einerseits  die  Tradition  und  versuchten  andererseits,  unter  Einfluss  der  westeuropäischen  Kultur  innerhalb  der  Grenzen  des  osmanischen  Reiches  die  Ästhetik  der Ikone zu verändern.


Die Ausstellung entstand anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Recklinghausen und Dordrecht (NL) in Zusammenarbeit mit dem Dordrechts Museum, wo sie vom 25. Oktober 2014 bis 22. Februar 2015 zu sehen war.

 

Material und Informationen: www.ikonen-museum.com und www.artefakt-berlin.de