Peter Lacroix "Pur" im Ludwig Forum Aachen

Peter Lacroix | Foto: Anne Gold
Peter Lacroix | Foto: Anne Gold
WDR 3 Kulturtipp: 

Die Ausstellung „Pur“ stellt Peter Lacroix (1924 – 2010) vor, einen der bedeutendsten Aachener Künstler, dessen Wirkung auch nach außen strahlte. Rund 100 Arbeiten aus den Jahren von 1950 bis 2010 sind im Ludwig Forum für Internationale Kunst zu sehen. 

Lacroix entwickelte seine künstlerische Programmatik in einer Zeit, in der die Moderne geradezu stürmisch über Aachen hereinbrach. Ende der 1960er Jahre bekam eine überaus selbstbewusste und lebensbejahende Kunst durch den neu gegründeten Kunstverein Gegenverkehr e.V., aber auch durch die Sammlung Ludwig, die zum ersten Mal an die Öffentlichkeit ging, ihr aufregendes Podium. Im Trubel des Umbruchs ließ Peter Lacroix seine Orientierungsphase, die an den wichtigsten Entwicklungsschüben abstrakter Kunst der Nachkriegszeit orientiert war, hinter sich und trat 1968 mit ersten eigenständigen Gemälden auf.

Er präsentierte formatfüllende, geometrische Konstruktionen in  leuchtenden Primärfarben und Schwarz-Weiß-Kontrasten. Es war eine Kunst, die einem schlichten Regelkanon folgte, von anonymer Kühle, mit signalhafter Wirkung. Sie war wie geschaffen, auch jenseits musealer Stille im Außenraum zu wirken und Akzente zu setzen, wie beispielsweise die „Farbleiter“ aus dem Jahr 1972 am Aachener Standesamt. 

Den Weg zu einer gegenstandlosen Position verfolgte Lacroix Mitte der 1970er Jahre konsequent weiter. Nach zuvor festgelegten Zahlen- und Farbcodes überließ der Künstler die Anordnung der Farben im Quadratfeld dem Zufallsprinzip eines Würfelwurfs. Nach dieser aleatorischen Methode entstanden mosaikartige Muster, die heute an QR-Codes erinnern.

Ende der 1980er begann Lacroix mit einer überwältigenden Hommage an seinen Freundes- und Bekanntenkreis, die er nahezu 20 Jahre lang immer weiter fortschrieb. Er richtete sich an Künstler wie etwa Joachim Bandau, Herbert Bardenheuer, Joseph Beuys, Joachim und Johanna Buchholz, Irmel Kamp, Wolfgang Nestler und Thomas Virnich, an Kulturpolitiker, Kunsttheoretiker und Journalisten, darunter Ulrich Bohnen, sowie an Initiatoren hiesiger Kunsteinrichtungen wie Hans Backes, Walter Dohmen, Erwin Hake, Horst Hambücker, Helene und Manfred von der Milwe.

Lacroix erfasste seine Wegbegleiter auf Basis mathematischer Berechnungen in komplexen Algorithmen aus Kreisdiagrammen und Intervall-Skalen. Dabei formen sich wie von selbst, ohne persönliche Handschrift des Künstlers, Polygone, bizarre kantige Muster, abstrakte Chiffren für Persönlichkeitskonstellationen. Sie sind gleichermaßen konkretes Porträt und abstrakte Chiffre. Diese setzt Lacroix in einfachen Materialien aus seinem Alltagsleben um: mit abgelegten Rechnungsbögen aus dem Friseurladen seiner ersten Frau Trude, mit Ausschnitten der täglich gelesenen Lokalzeitung. Er benutzt Kassenbons von Aldi, Bierdeckel, Briefumschläge, Verpackungskartons und zugeschnittene Stadtpläne seiner Heimatstadt Aachen. Damit schafft er sich eine Materialfülle von Farben und Stofflichkeiten, aber auch von beredten Mustern aus Gedrucktem oder fein „gesponnener“ Handschrift mit etlichen, scheinbar zufälligen Botschaften, die auch die private Seite des Künstlers spiegeln. So gelingt es Peter Lacroix – trotz formaler Strenge und rechnerischer Klarheit – auch seine Lust an unkonventionellen Einfällen und an doppelsinnigen Pointen durchblicken zu lassen.  

Im Laufe der Jahre hat sich Peter Lacroix immer wieder als Ausstellungsmacher betätigt und viele Gruppenausstellungen initiiert und organisiert. Er war Mentor und Anreger der jüngeren Aachener Künstlergeneration. Zusammen mit Trude hat er über viele Jahrzehnte eine umfangreiche und bemerkenswerte Kunstsammlung zusammengetragen, die er 2005 der Stadt Aachen schenkte. Das Konvolut umfasst mehr als 400 Arbeiten aus den Jahren 1947 bis 2004 von über hundert Künstlern.

 

Website: www.ludwigforum.de