"Albert Camus - Die Gerechten" am 18.10. im Düsseldorfer Schauspielhaus

Albert Camus (Bildrechte: United States Library of Congress's Prints and Photographs division)

WDR 3 Kulturtipp: 

Es sind »zartfühlende Mörder«, wie Camus selbst jene fünf Attentäter beschreibt, die ein besseres Russland herbeibomben wollen. Angelehnt an den 1905 stattgefundenen Anschlag einer sozialrevolutionären Gruppe auf den russischen Großfürsten Sergej, entwirft Camus in dem 1949 erschienenen Schauspiel Die Gerechten den Diskurs innerhalb einer Terrorzelle, die sich in ihrem Kampf zur »Befreiung des russischen Volkes« über das Maß an anzuwendender Gewalt uneins ist. Der Streit entflammt, als der erste Attentatsversuch misslingt; Iwan Kaljajew entschließt sich im letzten Moment, die Bombe nicht zu werfen, weil in der Kutsche des Großfürsten auch dessen Nichte und Neffe sitzen. Das Leben von zwei unschuldigen Kindern als Preis für seinen Kampf gegen die Gewaltherrschaft des Zarenregimes ist ihm zu hoch – im Gegensatz zum jüngst aus dem Zuchthaus geflohenen Stepan, für den im revolutionären Kampf keine Grenzen gelten. Doch die anderen Mitglieder der Gruppe schließen sich Kaljajews Auffassung an. Zwei Tage später wiederholt Iwan Kaljajew den Anschlag, dieses Mal erfolgreich.

Geprägt durch seine Erfahrungen in der französischen Résistance sah Albert Camus im politischen Attentat ein legitimes Mittel zur Bekämpfung von Tyrannei: gerechtfertigt, sofern die Täter bereit waren, mit ihrem Leben zu bezahlen. Vor dem Hintergrund seines eigenen Kampfs in der Résistance skizzierte Camus einen Ehrenkodex für den Attentäter. Im weiteren Verlauf jedoch stellt sein Schauspiel Die Gerechten die bange Frage nach dem Sinn des Attentats überhaupt. Heute, angesichts vieler Selbstmordattentäter mit Sprenggürteln, denen für ihre Ziele die Frage nach etwaigen unschuldigen Opfern vollkommen gleichgültig scheint, erinnert das Theater mit diesem Stück an einen fast vergessenen Disput.

Premiere
18.10.2014, 19:30 Uhr
Grosses Haus