Thomas Bernhards "Die Macht der Gewohnheit" im Rheinischen Landestheater Neuss

Joachm Berger, Henning Strübbe (Foto: Björn Hickmann / stage-picture.de)
Joachm Berger, Henning Strübbe (Foto: Björn Hickmann / stage-picture.de)
WDR 3 Kulturtipp: 

Zirkusdirektor Caribaldi hat Großes vor. In absoluter Vollendung möchte er Franz Schuberts „Forellenquintett“ aufführen. Dieses hohe Ziel verfolgt er Tag für Tag, und zwar seit 22 Jahren! Zur Umsetzung seines Wunsches ist Caribaldi auf seine Zirkustruppe angewiesen. Seine Enkelin, eigentlich Seiltänzerin, der Jongleur, der Dompteur und der Spaßmacher sollen neben ihren Zirkuspflichten regelmäßig mit ihm üben. Mit seiner Beharrlichkeit und seinem Ringen um Perfektion stößt der Direktor dabei keineswegs auf Gegenliebe. Kein Bogenstrich genügt den Ansprüchen Caribaldis und die Truppe boykottiert die Proben. Auf diese Weise werden das tägliche Üben und der nicht immer leise Protest der Zirkustruppe selbst zu einem Spiel für die Zuschauer.
Zwar erklingt in diesem Schauspiel Franz Schuberts „Forellenquintett“ nicht, jedoch ist „Die Macht der Gewohnheit“ ein durch und durch musikalisches Werk. Thomas Bernhard verwendet Worte und Phrasen geradezu leitmotivisch, und lässt die Sprachmelodie rhythmisch fließen. Kreist Thomas Bernhards Komödie auf den ersten Blick um den Perfektionszwang von Musikern und Artisten, ist sie auf den zweiten Blick eine Metapher für das Leben.
Die Macht der Gewohnheit, 1974 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, ist Thomas Bernhards erste „Komödie“. Der 1931 geborene österreichische Schriftsteller provozierte mit seinen Werken in seinem Heimatland Skandale und gilt bis heute als international gefeierter Autor.

 

Weitere Informationen, Termine und Tickets: www.rlt-neuss.de