Köln 1914 - Metropole im Westen - Ausstellung an drei Orten in Köln

Köln 1914 - Metropole im Westen
Köln 1914 - Metropole im Westen

Der Erste Weltkrieg, die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", hat das Leben von Millionen Menschen weltweit, in Europa, in Deutschland - und auch in Köln verändert. Eindrucksvolle Einblicke in das Leben in der rheinischen Großstadt vor rund 100 Jahren liefert nun die Ausstellung "Köln 1914. Metropole im Westen", die das Kölnische Stadtmuseum, das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) und die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) gemeinsam präsentieren. Sie widmet sich an drei Orten den Auswirkungen dieses ersten "totalen" Kriegs auf die Stadt. Das Ergebnis dieser bisher einzigartigen Kooperation im Rahmen des Verbundprojektes des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ist eine umfassende und umfangreiche Schau, die in aller Breite und mit zahlreichen Tiefenbohrungen die Geschichte Kölns im ersten Kriegsjahr und darüber hinaus in den Blick nimmt.

Vor rund 100 Jahren war Köln logistischer Knotenpunkt für die Westfront, ein Zentrum des beginnenden Luftkriegs und mit über 600.000 Bürgerinnen und Bürgern eine der größten Städte im Deutschen Reich. "Wie in kaum einer anderen Stadt stießen hier Avantgarde und Aggression als die Grundwidersprüche der Epoche aufeinander. Dieses Spannungsfeld zwischen Modernitätsstreben, Technikbegeisterung und gesellschaftlichem Fortschrittsglauben auf der einen Seite und dem fast unmittelbaren Umschwung in Kriegsbegeisterung, Gewalt und Zerstörung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausstellungen des Verbundprojektes", sagt Prof. Dr. Thomas Schleper, Leiter des LVR-Verbundprojektes.

Historisch bisher weitgehend unerforschtes Feld
In Köln nun zeigen die drei - thematisch gegliederten - Teilausstellungen die Umbrüche, denen das Leben in der Großstadt durch den Krieg ausgesetzt war. Die beiden Museen und das Wirtschaftsarchiv haben dafür ihre Bestände zum Thema "Köln im Ersten Weltkrieg" durchforstet und eine große Fülle herausragender, teils noch nie gezeigter Exponate zutage gefördert. Die Kuratorinnen und Kuratoren betreten hier Neuland, denn für Köln ist dieses historische Feld bisher weitgehend unerforscht.

Im Kölnischen Stadtmuseum steht die Alltagsgeschichte im Vordergrund. Köln war eine pulsierende Großstadt auf dem Weg in die Moderne. Auch wenn soziale Gegensätze noch Politik und Stadtgesellschaft prägten, ging es den meisten Menschen besser als je zuvor und es schien weiter aufwärts zu gehen. Dann veränderte der Krieg alles. Das Leben im Frieden und der Einschnitt des Krieges werden in Themenräumen präsentiert: Arbeit und Wirtschaft, Karneval, Freizeit, Sport und Vergnügen, Luftfahrt und Verkehr, Festung und Militär, Religiosität und gesellschaftliches Leben - alle Bereiche zeigen die tiefgreifenden Veränderungen im Alltagsleben. "Es sind insbesondere die persönlichen Geschichten und Biografien, die einen lebendigen Eindruck vom Leben der Kölnerinnen und Kölner im Jahr 1914 vermitteln", sagt Dr. Mario Kramp, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums. In der Ausstellung spielt aber nicht nur das Alltagsleben eine Rolle: Auch Kölner Lazarette und Kriegsgefangenenlager stehen ebenso im Fokus der Präsentation wie das Frontgeschehen. Denn zahllose Kölner waren im Krieg im Einsatz.

Vom Bildnis Kaiser Wilhelms II. über Mangelprodukte bis hin zu Fliegerbomben
Ein monumentales Bildnis Kaiser Wilhelms II. wird mit Objekten der Alltagskultur kon-trastiert: Kleidung, elektrische Geräte und Luxusgegenstände, Kinderspielzeug sowie Notprodukte der späteren Kriegszeit - das "Adenauer Brot", Ersatzsohlen für Schuhe oder Textilien aus Brennesselfasern. Deutlich wird auch die Welt des Militärs in den Mittelpunkt gerückt: Eine Fliegerbombe, Uniformen, Gewehre, eine Gasmaske und viele andere Objekte beleuchten das Geschehen an der Front ebenso wie die auf Kriegswirtschaft umgestellte Kölner Industrieproduktion. Aussagekräftige Leihgaben ergänzen die eigenen Bestände, beispielsweise ein Kölner Turnkittel von 1908, eine Unterarmprothese, eine Moulage einer schweren Gesichtsverletzung oder ein Motorrad aus Kölner Produktion, das an der Westfront eingesetzt wurde.

Das Museum für Angewandte Kunst (MAKK) widmet sich dagegen den künstlerischen Aspekten des großstädtischen Lebens. Köln stand 1914 in der Blüte seiner kulturellen Entwicklung und war reges Zentrum einer jungen Intellektuellenszene. Bereits seit 1903 formierten sich in kurzer Folge Künstlervereinigungen, die nicht nur als Ausstellungsplatt-formen dienten, sondern auch zu Lesungen, Vorträgen und Diskussionsrunden einluden. Unterstützt wurden diese Bestrebungen aus der reichen Museumslandschaft, die bis zum Ersten Weltkrieg 14 Institutionen umfasste.

Zwischen Verherrlichung und Schreckensbildern
Die bürgerliche Kultur wurde besonders im 1902 eröffneten Opernhaus am Habsburger Ring, dem größten des Deutschen Reichs, und im Schauspielhaus zelebriert, wo die Stars der Bühne gefeiert wurden. Das Musikleben wurde insbesondere durch die Gürzenich-Konzerte der Concert-Gesellschaft geprägt. Kultureller Höhepunkt sollte die im Mai 1914 eröffnete Werkbundausstellung werden, die die lokalen wie internationalen Bestrebungen der Zeit in Bezug auf Architektur, Bildende Kunst und Kunsthandwerk bündelte.

"Die Präsentation im MAKK spiegelt nicht nur die Vielfalt des künstlerischen Lebens, die durch den Kriegsausbruch zunächst zum Erliegen kam. Vielmehr zeigt sie auch die persönlichen Reaktionen von Künstlerinnen und Künstlern, die Verherrlichung wie die Schreckensbilder des Krieges", sagt Direktorin Dr. Petra Hesse. So werden im MAKK Kunstwerke und Objekte unter anderen von Alexe Altenkirch, Michael Brunthaler, Heinrich Hoerle, Franz M. Jansen, Heinz Kroh, Carlo Mense, Ferdinand Nigg, Ernst Riegel, Carl Rüdell, August Sander zu sehen sein.
Neben Gemälden, Grafiken, Mappenwerken und Fotografien schildern Gästebucheinträge und Notizen die sich verändernden Bedingungen des kulturellen Lebens. Exponate, die auf der Werkbundausstellung zu sehen waren, verdeutlichen die damalige hochstehende gesamtkünstlerische Qualität. Ergänzt werden die Werke aus Kölner Produktion durch prominente Leihgaben wie beispielsweise die Architekturmodelle des Werkbundtheaters von Henry van de Velde, des Glaspavillons von Bruno Taut sowie des Bürogebäudes von Walter Gropius.

Wie Kölner Unternehmen auf den Krieg reagierten
Die Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln fungiert als Leihgeber für die beteiligten Museen. "Wer sich Köln und dem Ersten Weltkrieg widmet, muss sich auch mit wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigen", sagt Dr. Ulrich S. Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs. Das RWWA widmet sich daher in einer kleineren Präsentation einigen bekannten Kölner Unternehmen wie der Firma Stollwerck, Deutz AG oder Felten & Guilleaume und ihren Reaktionen auf den Ausbruch des Krieges. Im Fokus stehen hier neben Feldzeitschriften, Feldpost-Briefen und Fotos auch die Produkte der Unternehmen, in denen sich der Krieg widerspiegelt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April 2015 zu sehen. Sie ist Teil des in Deutschland in dieser Form einzigartigen Verbundprojekts "1914 - Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg", mit dem der LVR an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor rund 100 Jahren erinnert.

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Begleitband mit Beiträgen zu den unterschiedlichsten Aspekten des Themas "Köln 1914" - die erste umfassende Geschichte Kölns im Ersten Weltkrieg (im Verlag J. P. Bachem, 271 S.).

Ausstellung und Begleitband wurden unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen; Kölner Kulturstiftung der Kreisspar-kasse Köln; Overstolzengesellschaft; Freunde des Kölnischen Stadtmuseums; Wirtschaftshistorischer Verein zu Köln e. V.; Kaspar Kraemer Architekten BDA.


Service:

Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstraße 1 - 3
50667 Köln
www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum

Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK)
An der Rechtschule
50667 Köln
www.makk.de

Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln
Gereonstraße 5 - 11
50670 Köln
www.rwwa.de

Laufzeit:
22. November 2014 bis 19. April 2015