abraumhalde | Theater Bonn

Abraumhalde: (v.l.n.r.) Sören Wunderlich, Holger Kraft, Daniel Breitfelder | © Thilo Beu
Abraumhalde: (v.l.n.r.) Sören Wunderlich, Holger Kraft, Daniel Breitfelder | © Thilo Beu
WDR 3 Kulturtipp: 

Kammerspiele von Elfriede Jelinek

Donnerstag, 06. Juli 2017, 19:30 Uhr (und weitere Termine)


Ein bild- und wortgewaltiger Parforceritt durch die Weltgeschichte, von der Antike über den deutschen Idealismus, den Holocaust bis in die unmittelbare Gegenwart mit ihren Kriegs- und Krisenherden oder Phänomenen wie den unfassbaren Taten von Fritzl in Amstetten. "abraumhalde" entstand 2009 als Sekundärdrama in der Auseinandersetzung mit "Nathan der Weise" von G.E. Lessing. 

Dort, wo sich in Nathan am Ende ein Stein sorgsam auf den anderen fügt, zündet die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek das Gebäude wieder an. Bohrende Fragen stellen sich: Was kosten heute Menschlichkeit, Moral und Toleranz, und was passiert, wenn wir sie uns nicht mehr leisten können oder wollen? Jelinek wäre nicht Jelinek, würde sie dabei nicht immer wieder abschweifen, sich von ihrem Gegenstand entfernen, um ihn auf die Art umso enger einzukreisen. „Wir sind Gott“, hallt es leitmotivisch und ironisch durch den Text, dem nicht mehr, nicht weniger gelingt als eine Dekonstruktion des Projekts „Aufklärung“. Und er macht die verdrängten weiblichen Stimmen hörbar, die bei Lessing zum Verstummen gebracht wurden.

Simone Blattner inszeniert zum ersten Mal in Bonn. Ihre Inszenierungen waren an zahlreichen deutschsprachigen Theatern zu sehen, unter anderem am Residenztheater München, dem Schauspiel Frankfurt, dem Staatsschauspiel Dresden, dem Staatstheater Karlsruhe, sowie in der Schweiz am Theater Basel und dem Theater Neumarkt in Zürich.



Weitere Informationen und Tickets: www.theater-bonn.de